Seit dem 17.01.2008 16:00 mit
595 Büchern dabei und gerade Offline.
Um mehr über FrankN.Stein zu erfahren musst du dich zuerst anmelden oder registrieren.
Du möchtest wissen, wann FrankN.Stein ein neues Buch einstellt? Oder einen neuen Beitrag im Forum verfasst hat? Dann hol' dir den persönlichen RSS Feed.
Wolf Haas ist einer der bekanntesten Autoren Österreichs. Seine Krimis um den trocken-zynischen Kommisar Brenner habe ihm zahlreiche Preise und einen Kultstatus eingebracht. Nun hat er sich einem anderen Genre zugewandt und einen Liebesroman geschrieben. Oder doch nicht?
Tasache ist: "Das Wetter vor 15 Jahren" ist NICHT dieser Liebesroman.
"Das Wetter vor 15 Jahren" ist eine buch-langes Interview des Autors mit der Autorin einer Literaturbeilage ÜBER diesen Liebesroman. Oder auch nicht.
Denn das Interview ist fiktiv - genauso wie der Roman, den Haas nie geschrieben hat.
Wenn das jetzt ein wenig verwirrend klingt, ist das wohl durchaus beabsichtigt, sollte aber niemanden vom Lesen abhalten. Denn "Das Wetter vor 15 Jahren" ist das originellste deutschsprachige Stückchen Literatur, dass ich seit - sehr langer Zeit gelesen habe.
Auf 220 Seiten reden Haas und die fiktive Literaturkritikerin über das fiktive Buch und dabei entfaltet sich vor uns die bewegende, spannende tragische, komische Liebesgeschichte von Vittorio Kowalski, Sohn eines Trinkhallenbesitzers und letzter Spross einer Bergarbeitersippe aus Essen, der in seiner Kindheit jedes Jahr in ein kleines österreichisches Dorf fuhr und sich mit 15 Jahren zum ersten Mal dort verliebte - und unter dramatischen Umständen nach dem ersten zärtlichen Annäherungsversuch von seiner angebeteten Anni fortgerissen wurde. Fortan lernt Kowalski das Wetter des kleinen Dorfes auswendig - ohne es jemals wieder zu betreten oder seine Angebetete wieder zu sehen. Erst als sein Wissen über das Wetter vor - und seit - 15 Jahren ihn zum Wettkönig bei "Wetten Dass" macht, kommt sein eingefahrenes Leben in Bewegung - in Richtung Österreich.
Wolf Hass gelingt ein bemerkenswerter Spagat. Die ungewöhnliche Form des "Interview-Romans" kitzelt den Intellekt des interessierten Lesers, während die Geschichte, die sich in dieser Erzählform zwar den eingefahrenen Lesegewohnheiten entzieht, einen trotzdem packt und mitreisst. Und zu alledem kommt der trockene Humor und der tiefer - Einblick in deutsch österreichische Befindlichkeiten der schon die Brenner Krimis zu erstklassigem Lesevergnügen machten.
"Denken: Dieses Buch enthält einiges davon. Ob ihr das zu Hause nachmacht, bleibt ganz euch überlassen."
Nach einem Tsunami kehrt der junge Mau auf seine kleine Insel zurück und findet sie und seine kleine Nation zerstört. Er, dank eines nicht abgeschlossenen Mannbarkeitsritus weder Kind noch Mann ist der letzte Überlebende, und nur das "Geister-Mädchen" Daphne, eine gestrandete Engländerin bewahrt ihn davor aufzugeben. Um zu überleben - und was wichtiger ist - um die Nation wieder aufzubauen (hauptsächlich aus Überlebenden anderer Inseln, denen es noch schlechter geht), und zu verteidigen muss der Junge erwachsenen werden - und das heißt auch althergebrachte Dogmen anzufechten, die Götter anzuzweifeln und selber beginnen zu denken.
Ausgelegt als Jugendbuch (dabei aber erheblich erwachsener und anregender als - andere Jugendbücher, die bei erwachsenen Lesern seit eingier Zeit gewissen Zuspruch erfahren) ist "Nation" Terry Pratchetts erster Roman seit sehr langer Zeit, der nicht auf der Scheibenwelt spielt (allerdings auch nicht auf unserer). Es ist eine bewegende Geschichte des Erwachsen Werdens zweier junger Menschen - und einer gesamten Welt, die hier - ganz unten, am anderen Ende der Welt (oder in deren Zentrum, je nachdem von wo man hinsieht, schließlich ist sie Erde eine Kugel) eine Lektion in Toleranz, Neugier und selbstständigem Denken lernt, die unserer wahren Welt leider entgangen ist.
"Nation" ist kein typischer Pratchett: Auch wenn sein unerreichter Humor natürlich immer wieder aufblitzt, erzählt "Nation" eine in großen Teilen düstere, harte Geschichte. Dennoch lohnt sich das Lesen uneingeschränkt, denn natürlich kommen weder Lachen noch gerührt sein beim Lesen zu kurz. Und über allem strahlt - klarer als je zuvor - Terry Pratchetts Lob des selbstständigen Denkens.
Alan Moores Graphic Novel "Watchmen" gilt als bester und bedeutenster Comic aller Zeiten... und nicht zu Unrecht.
Die Welt scheint dem Untergang geweiht... Nachdem die USA den Vietnamkrieg gewonnen haben und Richard Nixon bis in die 80er Jahre regiert, gehen die USA wirtschaftlich und moralisch am Krückstock und das Wettrüsten mit der UdSSR treibt einer scheinbar unausweichlichen Katastrophe entgegen. Und die Superhelden dieser Welt sind auch keine Hilfe, denn nachdem sie die Demonstrationen der 70er Jahre blutig niedergeschlagen haben, sind sie verboten - in den Untergrund gedrängt oder in den Dienst der kriegstreiberischen Regierung getreten.
Watchmen erzählt die Geschichte einer Gruppe von Superhelden in einer Welt, die dem Untergang geweiht scheint, einer Welt die der realen Welt näher ist als alles was Superman und Co. je bewohnt haben. Und nicht nur die Welt ist realer, greifbarer - auch die maskierten "Helden" sind echter - Persönlichkeiten mit Brüchen, psychischen und sexuellen Störungen und alles andere als strahlende Helden.
Watchmen ist eine düstere Dystopie, nicht das Ende des Superheldengenres, aber der Beginn einer neuen Zeit, in der sich getriebene Helden in schmutzigen Städten schmutzige Hände holen und abgründige, erwachsene Geschichten erzählt werden können. Ein Meilenstein, ohne den "Sin City" oder "The Dark Knight" nicht möglich gewesen wären.