Rezensiert von Ayanea
Der Feind in meinem Bett
Dark Canopy konnte mich in jeder Hinsicht begeistern. Einmal angefangen, zog es mich in seinen Bann und ich klebte förmlich am geschriebenen Wort. Frau Benkau erschafft ein düsteres Zukunftsszenario.
Die Percent- ursprünglich eine von Menschen gezüchtete Rache, haben die Weltherrschaft an sich gerissen und unterdrücken seitdem alle Menschen. Die Percents haben viele beziehungsweise bessere Eigenschaften als die Menschen, wie schnelle Reflexe und halten die Welt durch "Dark Canopy" ständig in der Dunkelheit, da sie gegen das Sonnenlicht empfindlich sind. Joy, eine menschliche Rebellin wird bei einer Rettungsaktion von eben jenem Feind gefangen genommen und wird fortan an Neél als "Soldat" trainiert. Mit der Zeit muss sie jedoch feststellen, dass sich selbst unter den Feinden Menschlichkeit finden lässt....
Was für mich erst mal besonders positiv hervorzuheben ist, ist das die Liebesgeschichte die sich zwischen Joy und Neél entspinnt, nie erdrückend wirkt, weil sie von der Autorin zu viel Raum erhalten hat, oder dergleichen. Diese Liebesbeziehung braucht zunächst sehr lange in ihrer Entwicklung- wirkt dadurch für mich absolut stimmig und spielt im gesamten Romanplott eine eher untergeordnete Rolle.
Viel wichtiger in diesem Roman sind die Zukunftsszenarien die die Autorin dem Leser offenbart. Es herrschte der dritte Weltkrieg- allein das beginnende Zitat von Albert Einstein führt einen stimmungsvoll in die düstere, dichte Atmosphäre ein. Das gesamte Buch, die gesamte Umgebung und auch seine Charaktere wirken sehr düster, speziell, geheimnisvoll und einfach genial. Allen voran die menschliche Hauptprotagonistin Joy- ein sehr eigenwilliges, burschikoses Mädchen. Sie wirkt sehr spröde und fest gefahren in ihren Ansichten und es ist eine wahre Freude sie nach und nach "auftauen" zu sehen- was nicht letzten Endes an dem Percent Neél liegt.
Mir hat besonders gut gefallen, dass es Charaktere gab, die sehr vielschichtig waren. Hier gibt es kein schwarz und weiß denken. Jede Person im Buch hat ihre Gründe, die nachvollziehbar waren.
Es gibt wirklich nichts an dieser Dystopie was mich gestört hatte. Ich war absolut beeindruckt von der düsteren Atmosphäre und begeistert vom geschriebenen Wort der Autorin. Dark Canopy ist der erste Teil von insgesamt zwei Bänden und ich muss wohl nicht hervorheben, wie gespannt ich auf die Fortsetzung bin- so ist das Ende doch relativ erschütternd und lässt einen aufschreien nach mehr, mehr, mehr….
Rezensiert von Ayanea
Vom Regen in die Traufe
Nachdem ich vom ersten Band "Das Land der verschwundenen Kinder" so begeistert war, war klar, dass ich unbedingt auch die Fortsetzung "Das Land der verlorenen Träume" lesen möchte. Wobei dies eine Fortsetzung der ganz anderen Art ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: wer eine Geschichte erwartet die sich wieder mit der Enklave und seiner Gesellschaft befasst, der kann von diesem Roman nur enttäuscht werden. Denn in der Fortsetzung muss Gaia mit ganz anderen Konflikten und einer neuen Gesellschaftsform umgehen. Wer sich darauf einlassen kann, der wird wieder mal dem Zauber, den die Autorin spinnt erliegen- genau wie ich.
Der zweite Band setzt also genau da ein wo der erste aufhört. Gaia befindet sich mit ihrer Schwester im Ödland auf der Flucht vor der Enklave. Leon musste sie zurück lassen und selbst liegt sie mehr oder weniger im Sterben. Da wird sie von einem unbekannten gerettet, der sie mit in sein Dorf "Sylum" nimmt. Dort ist alles ganz anders: die Frauen haben die Macht, die Männer absolut kein Stimmrecht und generell ist das Verhältnis Frau zu Mann sehr unausgewogen. "Regiert" wird das Ganze von der Martarch, mit der nicht gut Kirschen essen ist. Es entstehen also viele neue Konflikte und Gaia muss zunächst zusehen, wie sie mit den neuen Leuten und der neuen Gesellschaft zurechtkommt.
In gewohnt hoher Qualität beschreibt die Autorin die neue Umgebung. Ich war nach zwei Seiten schon wieder sofort gefesselt und habe das komplette Buch in nur zwei Tagen verschlungen- es gestaltete sich für mich also als wahrer Pageturner- exakt wie der erste Band.
Viele neue Charaktere werden eingeführt und auch Gaia wird zum Spielball der neuen Politik in Sylum. Sie darf zwar fortan wieder als Hebamme arbeiten, aber ansonsten wird sie sehr unterdrückt in ihrer Meinung, was sogar so weit geht, das ihr Wille gebrochen wird. Gaia trifft auch auf viele junge Männer, zu denen sie sich teilweise doch recht hingezogen fühlt. Das war mir mitunter schon etwas zu viel. Kein Mädchen schwärmt für drei Jungs gleichzeitig! Ich jedenfalls nicht. Zudem kam es mir etwas unrealistisch vor, das so viele auf Gaia standen, so weiß man doch aus dem ersten Band das sie im Gesicht durch eine grobe Narbe doch recht entstellt ist. Na gut, das kann an dem Frauenmangel in Sylum liegen und sollte mich weiter nicht stören.
Auch einige Handlungsweisen von Gaia waren für mich als Leserin nicht wirklich nachvollziehbar. Sie hat sich eine Unmenge an Steinen in den Weg gelegt, die eigentlich nicht hätten sein müssen, aber so natürlich die Spannung aufrechterhielten, nach dem Motto: ja kriegen sie sich denn nun, oder nicht.
Da dies der Mittelteil einer Trilogie ist, fand ich es umso erbaulicher, dass am Ende des Romans kein großer, schockierender Cliffhanger wartete, sondern ein abgerundetes Ende. Nichts ist schlimmer als gewollte Spannung im letzten Satz eines Romans! Nach diesem Teil weiß ich jedoch, dass ich unbedingt auch den letzten Band lesen möchte! Ich kann diese Trilogie eigentlich wirklich jedem weiter empfehlen.
Rezensiert von Ayanea
Und verwirrt auf poetischen Niveau
Natalie küsst ist ein Roman der etwas anderen Art. Von vielen hoch um jubelt, wird die Geschichte dahinter sogar verfilmt. Hauptakteurin ist Natalie, eine Frau die aus heiterem Himmel ihrem Mann verliebt und in eine Lebenskrise stürzt. Nachdem sie nach einer Auszeit zurück auf Arbeit ist, muss sie sich gegen die Avancen ihres Chefs wehren und verdreht aus heiterem Himmel den Kopf von Markus und ihren eigenen, in dem sie ihn aus einer Spontanreaktion heraus küsst.
Das außergewöhnlichste an diesem Buch ist wohl der Schreibstil des Autors. Mitunter grenzen die Sätze an reinste Poesie und man muss mehrmals inne halten, um sich die Sätze mehrmals durch zu lesen. Dabei geht keineswegs der Sinn verloren- mir hat dieser Schreibstil sehr gut gefallen. Mitunter werden die Abschnitte durch Songtexte, Wikipediaartikel, Sätze oder Zitate aus anderen Romanen untermauert. Auch das fand ich sehr gelungen, so passte es doch stimmig in die Grundstimmung des Buches.
Dennoch hatte ich in dem Roman meine Schwierigkeiten mit den Hauptpersonen. Natalie ist sehr widersprüchlich. Sie ist so widersprüchlich das sie sich des Öfteren im Buch über sich selbst wundert. Man weiß als Leser nie woran man bei ihr ist, was als nächstes kommt. Das mag einerseits für Spannung sorgen, andererseits verhindert es, dass man sich als Leser mit der Hauptfigur identifizieren kann. So liest man von dieser Person und bleibt dabei total emotionslos, was bei einem Liebesroman meiner Meinung nach nicht der Fall sein sollte.
Auch ihr Gegenpart Markus wirkt sehr surreal. Er scheint wirklich hässlich und unscheinbar zu sein, hat das Herz aber auf dem rechten Fleck. Er weint ungeheuerlich viel und jeder, auch der Leser fragt sich, was Natalie nun an Markus finden mag. Auch er streut mitunter komische Sätze ein, die beim Leser nicht mehr als ein Stirnrunzeln hinterlassen.
Alle diese Punkte ließen mich letzten Endes, obwohl ich zwischen 3 und 4 Sternen hin und her gerissen war, doch zu 3 Sternen tendieren. Der ein oder andere wird sicherlich dieses Buch lieben, ich konnte zeitweilen damit leider nicht viel anfangen. Mein Fazit daher: Man kann es mal lesen, muss es aber nicht wirklich. Zumindest sollte man nicht das erwarten, was die Klappentexte so anpreisen- das kann nach hinten losgehen.